Jobjäger erzählen


Der Bericht "Fachkräftemangel – Firmen wenig flexibel bei Rekrutierung" im SRF-Wirtschaftsmagazin ECO zeigt auf, wie schwierig ein erfolgreicher Bewerbungsprozess auch für sehr gut qualifizierte Stellensuchende sein kann und präsentiert, was das Arbeitsamt Schaffhausen mit dem innvoativen Jobjäger-Programm dagegen unternimmt: 


SRF, ECO, Montag 23. Januar 2017, 22:25 Uhr


Mit welchen Erwartungen sind die Jobjäger ins Programm gestartet, wie haben sie den Austausch erlebt und wo stehen sie heute? Wir haben Jobjägerinnen und Jobjäger aus der Region nach ihrer Meinung gefragt. Hier erzählen sie ihre ganz persönliche Jobjäger-Erfolgsgeschichte:
  • ... was mich als Person mit meinen Stärken ausmacht. Die Suche nach den versteckten oder brach liegenden Talenten war anregend. Plötzlich konnte ich neue Möglichkeiten entdecken. Meine Bewerbungsstrategie habe ich daraufhin angepasst und konnte mit frischem Elan meine Jobjagd auf neue Gebiete verlagern.»
  • ... kennengelernt, mit denen ich auch weiterhin Kontakt halten möchte. Der ehrliche, professionelle Austausch unter den Jobjägern war sehr hilfreich und motivierend. Auch wenn man gerade wieder eine Flut von Absagen erhalten hatte, waren die Treffen doch immer sehr positiv. Das Bewusstsein, dass man nicht der Einzige in dieser Situation ist, hilft meines Erachtens, die eigene Resilienz zu stärken.»

  • ... waren meine ersten Gedanken, als ich vom RAV die Einladung zum Jobjäger-Programm bekam. Mit dabei war eine Info-Broschüre. Nachdenklich las ich diese durch und erkannte schnell, dass sich dieses Programm vom normalen Bewerbungstraining abhob. Bei unserem ersten noch informellen Treffen erkannte ich, dass die Gruppe sehr gezielt ausgewählt wurde, wir alle hatten – neben der Arbeitssuche – einen ähnlichen Background. Sehr durchdacht war unser Einstieg, wir hatten ein Tagesprogramm mit gemeinsamem Mittagessen. Dies förderte die Gruppendynamik und wir konnten uns doch gleich gut kennenlernen, was auch die inhaltliche Arbeit positiv beeinflusste und mich oft auch zum Nachdenken brachte. Nach einem halben Jahr ist mir vor allem das sehr spannende und lehrreiche PIP-Training sowie das Co-Development hängen geblieben. Der Elevator Pitch ist interessant – aber nicht so meins. Auch wenn die Selbstreflexionen und Standortbestimmungen manchmal etwas mühsam sind und ich das nicht so gerne mache, ist es doch sinnvoll, seine eigenen Einschätzungen zu beleuchten. Wichtig war für mich hierbei zu sehen, ob ich mit meiner persönlichen Einschätzung (Stärken, Schwächen, Fähigkeiten) richtig lag und wie mich andere, fremde Personen sehen.
    Nach Beendigung des Programms gibt es die Möglichkeit, den Jobclub zu besuchen. Mir tut es immer wieder gut, Mitstreiter zu treffen, neue Teilnehmer kennenzulernen und mein persönliches Netzwerk zu erweitern. Durch unseren Rückblick werden Strategien durchleuchtet und Lösungen vorgeschlagen, die mich auch weiterbringen. Wichtig sind hierbei für mich der Austausch und auch der Input, der von unserem Coach und auch den Teilnehmenden kommt.
    Fazit: Auch wenn meine Situation nicht so angenehm ist, komme ich gerne in den Jobclub, habe mein Netzwerk erweitert und bekomme immer wieder neue Impulse. Das Engagement des RAV, so ein Programm zu unterstützen und zu fördern, finde ich bemerkenswert. Da mein Netzwerk nicht so gross ist, fühle ich mich als Jobjägerin nicht so einsam und kann weiterhin gute Kontakte knüpfen.»
  • ... teilweise Mühe mich immer wieder aufs Neue für die Stellensuche sowie den Bewerbungsprozess allgemein zu motivieren. Ich schrieb zwar regelmässig viele Bewerbungen, aber durch die Absagen, die ich immer wieder erhielt, frustrierte mich das Ganze zunehmend und ich empfand meine Situation als sehr belastend. Zudem fragte ich mich immer wieder, woran es lag, dass die Stellensuche nur langsam vorwärts ging.
    In den Workshops tauschten wir uns in der Gruppe sehr oft aus, auch mittels bestimmter Methoden wie z.B. der kollektiven Beratung. Dadurch bekam ich einerseits mit, wo die anderen gerade stehen und mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen hatten, andererseits erhielt ich auch sehr viele gute Ratschläge und Ideen aus der Gruppe, welche ich immer wieder zielgerichtet in den Bewerbungsprozess einfliessen lassen konnte. Durch diese Inputs gelang es mir immer wieder neuen Mut zu fassen und auch geduldiger vorzugehen, vor allem war ich viel motivierter. Auch die regelmässigen Eröffnungsrunden in den Workshops, wo alle von ihren Highlights erzählt hatten und versuchten mehr Positives als Negatives zu berichten, haben mich immer wieder angespornt, weiterzumachen. Durch das Arbeiten mit der Gruppe und den Coaches, konnte ich gelassener und positiver an die ganze Sache herangehen, was sich nicht nur auf mein Gemüt, sondern auch auf meine Ausstrahlung im Bewerbungsgespräch ausgewirkt hatte. Und bald hat es auch mit der neuen Stelle geklappt! Schlussendlich konnte ich durch die Workshops sehr profitieren, auch für mein weiteres Arbeitsleben und meine Persönlichkeit.»
  • ... beim RAV Schaffhausen an, obwohl ich damals noch der festen Überzeugung war, während meiner sechsmonatigen Kündigungsfrist bestimmt eine neue Stelle zu finden. Nach dem freundlichen Empfang überkam mich im Warteraum dann doch ein etwas mulmiges Gefühl, ab sofort mit dem Makel „von Arbeitslosigkeit bedroht“ behaftet zu sein. Das Anmeldegespräch verlief zügig und ich wurde kompetent über meine Rechte und Pflichten als Versicherter orientiert. Ich verliess das RAV mit einer Fülle von Informationen, die es erst einmal zu verdauen galt. Bald darauf wurde ich zum Erstgespräch mit meiner Personalberaterin eingeladen, die mich bis zum Antritt einer neuen Stelle begleiten sollte. Sie verstand es ausgezeichnet, meine ganz persönliche Situation durch gezielte Fragen und ein gutes empathisches Gespür zu analysieren und mir gleichzeitig die Verhaltensregeln im Umgang mit dem RAV und der Arbeitslosenkasse plausibel und verständlich zu erklären. Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt schlug sie mir vor, einen zu meiner ganz persönlichen Situation passenden Kurs zu absolvieren, der etwa vier Monate dauern sollte. Obwohl ich immer noch davon überzeugt war, bald wieder einen Arbeitsvertrag in den Händen zu halten, stimmte ich dem Angebot gerne zu. Im Verlauf der Gespräche versuchte meine Beraterin mich sehr behutsam darauf vorzubereiten, dass ältere Versicherte meistens etwas mehr Geduld aufbringen müssten, bis eine Lösung gefunden würde. Tatsächlich wurde ich dann entgegen meinen Vorstellungen nach Ablauf der Kündigungsfrist doch noch arbeitslos. Die vertrauensvolle und kompetente Begleitung durch meine Beraterin in Kombination mit den erkenntnisreichen Jobbjäger-Workshops verhalfen mir in der Folge dazu, meine vermeintliche Niederlage konstruktiv zu verarbeiten und wieder Mut zu fassen, so dass es dann nach vier Monaten Arbeitslosigkeit klappte und ich wieder eine Anstellung erhielt. Im Rückblick kann ich zusammenfassend sagen, dass die Begleitung durch das Arbeitsamt Schaffhausen mit seinen Teilinstitutionen während einer schwierigen Lebensphase meine Erwartungen übertroffen hat. Das Bild einer staatlichen Kontroll- und Sanktionierungsbehörde hat der Erkenntnis Platz gemacht, dass das Arbeitsamt Schaffhausen viel Engagement und Ressourcen in die nachhaltige Suche nach individuellen Lösungen investiert. Im Gegensatz zur immer noch verbreiteten Ansicht in der Öffentlichkeit hat wohl ein Paradigmenwechsel stattgefunden: nur noch so viel Kontrolle wie nötig, dafür umso mehr feinfühlige Begleitung und tatkräftige Unterstützung. Herzlichen Dank!»